Marvel's Guardians of the Galaxy

Guardians Of The Galaxy – Die Wächter als Anti-Helden

In gefühlt 99 Prozent aller Hollywoodfilme gewinnen die moralisch und menschlich Guten und Gerechten. Fast immer liegt das daran, das ihre bitterbösen Feinde zum falschen Zeitpunkt nicht die Klappe halten können.

Die Trailer und eine deutliche Mehrheit an dem, was ich in amerikanischen Blogs und Tweets über „Guardians of the Galaxy“ las, schraubte meine Erwartungen an den Film recht hoch. Solche Hoffnungen sind oft das Rezept zur Katastrophe.

Bestes Beispiel: Als 1999 „Star Wars Episode I“ in die Kinos kam, waren die meisten Fans enttäuscht, dass es dem Film nicht ansatzweise gelang, den Zauber der drei ursprünglichen Meisterwerke der Weltraumoper wieder in den Nerdherzen spürbar zu machen. Viele beendeten ihr Fandom und wüteten gegen George Lucas (http://www.tshirtgifter.com/tshirts/13169-george-lucas-raped-my-childhood-star-wars-style).

Andererseits habe ich auch schon erlebt, dass himmelhoch gepriesene Streifen, hielten oder sogar übertraffen, was die hymnischen Besprechungen der Feuilletons und die begeisterten Berichte der Freunde versprachen. 1999 erlebte ich das bei „Matrix“, 2005 bei „Serenity“.

Witzige Mischung aus Avengers und Serenity

So freute ich mich auf jeden Fall auf die Guardians,hatte keine Ahnung wer die sind und was für einer Welt die leben (Wie sich zeigen wird,wusste ich nach dem Film auch nicht sehr viel mehr darüber),außer dem,was in den Trailern zu sehen war und dass er von Marvel/Disney ist. Ich erwartete eine witzige Mischung aus Avengers und Serenity und fragte mich, ob das Lego Movie als mein Anwärter für den Fim des Jahres durch so eine durch und durch auf den amerikanischen Geschmack geschmiedete CGI-Eskapade ernsthaft in Gefahr war.

Was schon in den Trailern klar wurde, bestätigten die ersten zehn Minuten: Dass der Film bis zur letzten Minute mit teilweise sehr guten, schön genial billigen Witzen und Sprüchen gespickt sein werden – das traf zu. Dafür schon mal ein Bienchen.

Ich fühlte mich in der Welt des Streifens auch sehr schnell wohl: Sie war näher an denen von Star Wars, Serenity oder Indiana Jones als an der der „Avengers“ oder des „Dark Knights“. Der Film ist daher auch kein Superheldenfilm, Science Fiction dreimal nicht (obwohl er in der Zukunft unseres Universums spielt). Nein, er gehört für mich zu der kleinen, feinen, mir von Haus aus am Herzen liegenden Kategorie der Weltraumoper oder Space Opera wie der Filmfreak sagt. Auf den Expertenstreit, wie sich dieses Tier definiert und den Unterschied zwischen seiner Buch- und seiner Filmform gehe ich hier jetzt nicht ein.

Die Vorbilder

In der Schublade mit dieser Aufschrift finden sich Gold und Juwelen, sogar die größten, die je auf eine Leinwand geschmissen wurden. Ich spreche natürlich von der“Star Wars“-Saga. Dann wäre darin noch deutlich kleinere, aber immer noch beachtliche Kostbarkeit „Serenity“. Daneben ein Stapel von gutem (Das „Flash Gordon“-Remake von 1980), respektablem („Krull“, erschienen1983 [https://www.youtube.com/watch?v=ndpV6qfQJVw]), mittelprächtigem („Buck Rogers“ [komplett auf Englisch unter https://www.youtube.com/watch?v=jBFNaHs-zjQ]von 1979) und richtig miesem („Angriff der Eispiraten“ aus dem Jahr 1984) Trash.

Nichts zu Lachen

Gemeinsam ist all den Filmen dieses Genres, dass sie mehr oder weniger Humor enthalten, was dann mal mehr, mal weniger gelingt. Den Drehbuchautoren von „Guardians of the Galaxy“ haben diese Pflichtaufgabe durchweg gut bis befriedigend verrichtet. So richtige Kracher, die einen schreiend vor Lachen im Kino rumrennen lassen und wie sie der Legofilm enthält, habe ich aber nicht wahrgenommen.

Statt dessen wie gesagt eine Welt,in der ich mich schnell wohl gefühlt habe und sympatische, coole Charaktere als Helden. Natürlich, denn auch das muss sein, hat jeder von ihnen seine eigenen üblen Erfahrungen und Verluste in seiner dunklen, unaufgearbeiteten Vergangenheit erlebt. Sie alle haben ein Loch in ihrem Herz oder haben nicht alle Tassen im Schrank und können sich keinen Therapeuten leisten – oder eine tickende Zeitbombe im Körper. Sie und die Umstände warten nur darauf, dass passiert, was stets passiert. Alles wird arrangiert, dass in ein Abenteuer gezogen werden, das so gefährlich ist, sie so fordert und an ihre Grenzen bringt, sie derart Fegefeuer-mäßig leiden lässt, bis zum Ende.

Teambildung der Anti-Helden

Typisch auch die erst psychologische Hürde, die die Helden zu überwinden haben: Die eingebildete Verachtung der anderen, die eigene Eitelkeit und Ignoranz, die lähmende Desillusionierung zu überwinden – damit. Dazu müssen sie einfach zusammen ein paar mittelkleine Kämpfe und Abenteuer erleben, in denen sie sich gegenseitig erste Hilfestellungen leisten. Bei den „Guardians of the Galaxy“ ist das ein gemeinsam ausgeführter Gefängnisausbruch, der aus fünf fehlerhaften isolierten Wesen – von denen einige sich nicht ausstehen können – ein sich perfekt ergänzendes Team macht.

Raumschiffdiebe, Zimmerpflanzen und ein Waschbär

Gut ist es da, dass der wohl Auffälligste der Helden, der mit allen Waschbärwassern gewaschbärte Raumschiffdieb, Ausbrecherkönig und niedlicher Waschbär Rocket mit dabei ist. Obwohl er den anderen Wesen des Films so ungefähr bis zum Knie reicht, neigt er zur Prahlerei und Überheblichkeit und ist für einen guten Teil der spaßigen Onliner zuständig. Stets begleitet wird übrigens von seiner baumartigen Zimmerpflanze namens Groot, die sich unerklärlicherweise fortbewegen kann, auch Mitglied der Guardians ist und bis auf den stets gleichen Satz („Ich bin Groot“) nicht sprechen kann. Die vage Hoffnung es würde bis Ende deutlich werden, dass es einen originellen Grund für diese immer gleiche Einsilbigkeit gibt wurde nicht erfüllt, doch es werden ja noch weitere Teile folgen.

Der Weltraum-Cowboy

Wer von Rocket spricht, muss als nächstes von Peter sprechen. Mainstreamfilme brauchen einen Helden als Identifikationsfigur für den Zuschauer. Im Falle von Star Lord ist es eindeutig. Ein Gauner, Schmuggler, Grabräuber und Pirat, der als Kind den Tod seiner Mutter erleben musste (siehe Loch im Herz, Dachschaden, Heilung durch Abenteuer nötig). Zusammen mit Rocket repräsentiert er einen Archetyp, den es fast in jeder Space-Opera gibt: Der Weltraum-Cowboy. Statt einem Colt hängt an seinem Gürtel ein Laserblaster, statt eines Gaul bewegt er sich mit einem gepimpten Raumschiff fort und statt mit dem Sheriff legt er sich mit unendlich mächtigen Bösewichten an, die an und ab auch mal einen Planeten fressen oder sowas.

Die Anti-Helden

Wie in fast allen Weltraumopern ist auch Peter der Held, derjenige in den wir uns am ehesten hineinversetzen können. Prominente Ausnahme von dieser Regel ist „Star Wars“, wo der wahrscheinlich bekannteste und typischste Weltraumcowboy, Han Solo nämlich, eindeutig nicht der Held des Films ist. Gleich nach Han Solo muss man den brillant geschriebenen und gespielten Captain Malcolm Reynolds als ein Paradebeispiel eines Space Cowboys nennen.

Ständiger Begleiter Peters ist ein billiger Walkman, in dem er die immer gleichen Songs seines Kindheit auf Compact Cassetten hört. B- und C-Hits der 80er und Glamrock wie „Hooked On a Feeling“ von Blue Swede oder „Cherry Bomb“ The Runaways, mit denen er damals den Schmerz, den der Tod seiner Mutter hervorrief übertönte.

Die Mucke machts

Die Macher des Films nutzen den Walkman und die naiv-fröhlich Musik – die in Peters Kopfhörer pumpt – für einen charmanten Trick, der dem Film einige herrliche Momente beschert, wenn die unschuldigen optimistischen Songs erklingen und man dazu Raumschlachten, Monsterkämpfe oder einfach das übertechnologisierte, mal kaputte, mal sterile Ambiente sieht. Ein verwirrend schöner Effekt. Die Settings, die dabei und auch im restlichen Film vorkommen sind durch weg originell oder schön abgefahren. Ebenso die Designs der Waffen, exotischen Wesen, Kostüme, Helme und Raumschiffe.

Alles wunderbar könnte man sagen, doch jetzt kommts: Die Charektere sind wie gesagt geschickt, klar konturiert und mit einem plausiblen Dachschaden versehen, ins Abenteuer geworfen worden. Das gilt auch für die beiden weiteren Guardians. Da ist einmal diese – wie soll ich sagen – dieses, jetzt hab ich es, diese Mischung aus Hulk, dem Ding – aus den Fantastischen Vier – dem Comic, nicht den deutschen Rappern – und einer groben Leberwurst. Sein Schicksal ist der Tod seiner geliebten Frau und ihres gemeinsamen Kindes. Er ist meistens sehr schlecht gelaunt und hat es sich eindeutig zur Lebensaufgabe gemacht soviel kaputt und tot zu machen, wie es geht. Was ist egal. Hauptsache, er muss sich nicht mit seiner Trauer auseinandersetzen.

Die holde Weiblichkeit

Nun müssen wir nur noch die Frau suchen. Kleiner Tipp: Sie hat grüne Haut und lila Haare , sieht nicht ganz menschlich aus, kommt aber doch sehr aufreizend rüber vor allem zu Peter. Genau: Es ist Gamora, ein Name wie der einer japanischen Killerriesenechse. Sie war Auftragskillerin, beherrscht anscheinend jede bekannte Kampftechnik und kann mit jeder Schusswaffe perfekt umgehen. Sie bereut ihre einstigen Missetaten und hatte als Waise natürlich auch eine schwere Kindheit.

Was genau ihr Problem ist und warum sie jetzt bereut und für wen sie arbeitete und wer sie adoptierte und fast alles andere als das was ich bisher geschrieben habe, verstehe ich in diesem Film nicht. Meiner Meinung nach wurden weiten Teile der eigentlichen Story, der politischen Verhältnisse der Filmwelt, die einzelnen Fraktionen, die es darin gibt und ihr Verhältnis zueinander von einer hirnamputierten Schildkröte auf LSD getippt. Oder es liegt daran, dass ich die Comics nicht kenne.

Handlung egal

Ich hab null Ahnung worum es im Großen und Ganzen ging. Ist aber auch sehr wurscht.

Auffällig war noch: „Guardians of the Galaxy“ ist klarer Anwärter auf den Film mit den meisten Szenen, in denen der typischste Fehler der Filmbösewichte vorkommt. Er hat unsere geliebten Helden unerbittlich in einer haarsträubenden ultragefährlichen Ballerorgie mit Raketenantrieb gejagt und schließlich mit einem echt saugemeinen Trick, der nur jemandem mit der Skrupellosigkeit seines Kalibers einfällt, in seine Gewalt gebracht.

Das wars – es gibt kein Entkommen.

„Wir werden alle sterben“, denkt selbst der beinhärteste der mutigen edlen Gefährten. Ihre Mission lautete Milliarden von Leben, ja das Universum selbst vor Chaos, Zerstörung und der Tyrannei eines sadistischen Wahnsinnigen zu bewahren. Dies war zu ihrer Vision geworden, die zudem die Aussicht bot, die durch die eigene dunkle Vergangenheit gequälte, verwundete Seele zu befreien und zu heilen. Die die sich anfangs nicht ausstehen konnten, waren auf wundersame Weise ein perfektes Team und sogar Freunde geworden.

Doch nun, alles vorbei! Sie sind handlungsunfähig und der Bösewicht hat ’nen ganzen Baumarkt an tödlich blinkenden Waffen an sich hängen. Ein Schritt und ein kleines Schnippschnapp und der heimliche Anführer des Gut-„menschen“-vereins wäre schon mal ein Gewesener.

Doch was macht der Teufel in Cyborg-Zombie-Blackmetal-Mönchsgestalt: Er beginnt mit einer Rede, die die Guardians hämisch und verletzend runtermacht und ihn als unschlagbaren, unsterblichen, ewig verehrten und als Einziger der Herrschaft über Alles und Jeden würdigen Super-Mega-Godzilla-Gott darstellt.

Sein Geschwafel droht die Ausmaße von „Krieg und Frieden“ anzunehmen während er mit seinen Used-Universe-Hydraulik-Stiefeln von Held zu Held geht und jeden mit seinen gemeinen Worten genau ins Mark dessen psychischer Probleme trifft (hin und wieder kombiniert mit einem Magenschwingerle seines Handschuhs aus mit Uran666-legiertem Sonderstahl oder einem neckischen, doch sicher schmerzhaften Zwicken einer Weiberwange).

Angriff

Während so die Zeit vergeht und der satanische Laberflash weitergeht, holt der Held in aller Ruhe einen magischen Wurfstern aus seinen Hawaiishorts, baut das Genie der Heldentruppe – aus altem Toastbrot und einer toten Taube – eine Superwaffe oder es kommt eben die Kavallerie.

Auf jeden Fall darf Mr. Evil seine Ansprache nicht wie geplant beenden und dann die Drecksspießer gemütlich zu Tode foltern, sondern er wird (oft unter eines Superschurken unwürdigen Umständen) überwältigt, lahmgelgt, ausgetrickst, vernichtet und alles ist vorerst wieder gut.

Es gibt anscheinend selbst für Drehbuchprofis keine andere erzähltechnische Lösung für diese Situation. Ich warte schon lange gespannt auf den Film, der eine findet. E-Mails mit Hinweisen auf Werke, die es geschafft haben, die Helden ohne Bösewichtansprachen plausibel aus scheinbar ausweglosen Situationen zu holen, erwarten wir mit Freuden.

Vier oder fünf Mal mindestens kommt sowas in der Art in „Guardians of the Galaxy“ vor. Vielleicht ist auch selbstironische Absicht, die ich nicht verstehe. Ein Hollywoodinsider-Insidejoke, doch eigentlich ist der Film dafür zu dumm. Denn das ist er auf jeden Fall. Saudumm, hat aber auch Sauspaß gemacht und war sau komisch.

Das3D war meist unauffällig, manchmal prächtig, nie überflüssig.

Natürlich kein Sex

Und der Film ist ab 12! Man ist das kaum noch gewöhnt: Keine abgetrennten Gliedmaßen, keine platzenden Köpfe, keine ausgestochenen Augen. Stattdessen im Nahkampf und bei Ballereien eher Slapstick als Gewalt. Keine superschweinischen Witze und natürlich kein Sex, höchstens ein bisschen Romanze auf doofstem Niveau, eine Gemeinsamkeit mit „Star Wars“.

Kurz gesagt also: Avengers meets Marx Brothers, meets Bernhard und Bianca.

Teil 2 und mehr werden kommen – und ich werde reingehen.

Dank an Niki Kopp für diesen Text!

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Guardians of the Galaxy is one of those rare films, which both the critics and the fans seem to love. Guardians of the Galaxy has a solid 92% approval rating from critics and a 96% approval rating from audiences on Rotten Tomatoes…

  1. Joa, solide mit ein paar Stellen, an denen er den Kenner raushängen lässt.

    An Aufbau und Satzgestaltung ließe sich noch zum Besseren schrauben, doch mir scheint das Ding musste einfach raus, und die Schlussredaktion ist grade noch nicht besetzt.

    Ihr seid aufm guten Weg, die Site gefällt mir. Habt ihr ein Twitter-Nest, damit ich mitkriege, wenn ihr was Neues online stellt?

  2. manfred mai

    liest sich prima…

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